Sie sind hier

Großmarkthalle Hamburg erhält den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“

Seit dem 27. April 2017 trägt die Großmarkthalle in Hamburg als 20. Bauwerk offiziell den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. Gemeinsam mit der Hamburgischen Ingenieurkammer - Bau ehrte die Bundesingenieurkammer die Halle damit als historisch bedeutendes Ingenieurbauwerk.

Eliane Steinmeyer, Geschäftsführerin des Großmarktes Hamburg, freute sich sehr über die Auszeichnung, vor allem weil damit „auch die Arbeit der Mitarbeiter und Baudienstleister aner-kannt wird, die seit Jahren erfolgreich den Erhalt und die Betriebsfähigkeit eines der größten deutschen Großmärkte sicherstellen.“

Kultursenator Dr. Carsten Brosda würdigte die Hamburger Großmarkthalle in seinem Grußwort als „ein frühes, bundesweit herausragendes Beispiel für kreative Teamarbeit, die heute in vielen Bereichen der Kultur gängige Praxis geworden ist. Die Auszeichnung freut mich. Sie rückt den markanten Bau stärker als bisher ins öffentliche Bewusstsein – und trägt damit auch zum Denkmalerhalt bei“, so Dr. Brosda während der feierlichen Enthüllung der Ehrentafel.

Der Präsident der Bundesingenieurkammer, Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer, zeigte sich erfreut, die Großmarkthalle in die Reihe der Historischen Wahrzeichen aufnehmen zu können. „Denn mit dieser Auszeichnung schauen wir sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zu-kunft. Damit würdigen wir zum einen die historischen Ingenieurbauleistungen und möchten gleichzeitig dem Ingenieurnachwuchs Lust auf diesen wunderbaren Beruf machen“, sagte Kammeyer.

Dipl.-Ing. Peter Bahnsen, Präsident der Hamburgischen Ingenieurkammer Bau, schloss seine Laudatio mit dem Wunsch, „die Auszeichnung der Großmarkthalle als außerordentlich erfolgreiche Teamleistung von planenden Architekten und Ingenieuren sowie ausführenden Bauun-ternehmen möge auch für zukünftige Großprojekte ein Vorbild sein.“

Die Großmarkthalle wurde von 1958 bis 1962 als Großhandelszentrum für Obst und Gemüse südöstlich des Hamburger Stadtzentrums errichtet. Sie ist ein Gemeinschaftswerk der Architekten Bernhard Hermkes, Gerhart Becker, Schramm & Elingius und der Ingenieure der Dyckerhoff & Widmann AG. Der gewaltige Bau auf 40.000 Quadratmetern Grundfläche besticht durch seine elegante, einprägsame Großform, in der Konstruktion und Gestaltung miteinander in einer „geformten Konstruktion“ (Bernhard Hermkes) verschmelzen. Die maßgeblich vom leitenden Ingenieur Ulrich Finsterwalder konstruierten wellenförmig gekrümmten, hauchdünnen Stahlbetonschalen der drei Hauptschiffe ruhen auf parabelförmigen Stahlbeton-Bogenbindern und öffnen sich nach Norden mit gewaltigen, verglasten Sheddächern, die viel Licht ins Halleninnere lassen. Nach Süden wird diese Kathedrale des Handels von einem auskragenden Doppelgeschoss für Büros abgeschlossen. Die kühne Konstruktion in Verbindung mit einer zeichenhaften, aber immer funktionalen Architektur bildet eines der bedeutendsten Beispiele für die Vereinigung von Ingenieurswesen und architektonischer Gestaltung in Deutschland.

Mit der Ehrung der denkmalgeschützten Großmarkthalle als „historisches Wahrzeichen“ soll nicht allein diese wegweisende Zusammenarbeit der Disziplinen gewürdigt, sondern auch der Blick auf die eindrucksvollen, heute jedoch oft in Vergessenheit geratenen Leistungen der Moderne in den Nachkriegsjahren geschärft werden.

Brücken, Türme und andere Ingenieurbauwerke bilden einen wesentlichen Bestandteil unserer Baukultur. Deshalb ehrt die Bundesingenieurkammer seit 2007 regelmäßig besondere „Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. Begleitend zur Verleihung des Titels erscheint eine Publikation im Rahmen der Schriftenreihe zu den Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst.

Datei zum Herunterladen: 

PDF icon pm_hik_28042017_grossmarkthalle.pdf